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Schauspiel Köln, Schauspielhaus Bochum, Theater im Pumpenhaus, Münster

Schon lange breitet sich im Fernsehen eine gewisse Krankheit aus: Reality-Shows. In diesem Sendungsformat wird den Menschen vor der Mattscheibe suggeriert, sie könnten ein Star werden: Gerade noch auf der Couch, jetzt schon auf der Showbühne. Die neueste Inszenierung von Frank Abt widmet sich genau diesem Thema. In „Superstars“ treffen fünf unterschiedliche Charaktere aufeinander, die von Bühnenbildnerin Julia Ries jeder eine eigene weiße Showbühne mit Instrumenten für den großen Auftritt bekommen: ein gescheiterter Musiker und Schauspieler, ein Taubenzüchter, eine desillusionierte Schauspielerin, ein wegen Untreue verurteilter Versicherungsmann und eine Fachärztin für Geriatrie. Zusammen gründen sie eine Band, um ein letztes Mal zu zeigen, wer sie wirklich sind.
Der Abend beginnt mit Einspielungen von Fernsehinterviews der Darsteller. In ihnen erfährt der Zuschauer etwas über den Werdegang von Jele Brückner, Stephanie Schadeweg, Marco Massafra, Cornelius Schwalm und Torsten Kindermann und von deren „privaten“ Gedanken und Gefühle vor dem Probenbeginn zu „Superstars“. So zieht Frank Abt eine klare Trennlinie zwischen den Darstellern und den Rollen, in die sie auf der Bühne schlüpfen. Sie sind im Lauf dieses Abends immer beides zugleich, sie selbst und ihre Figur. Ansonsten arbeitet Abt hier mit den gleichen Mitteln wie das Fernsehen und versucht auf diesem Wege, den Eindruck von Authentizität zu schaffen und den Zuschauern zu vermitteln, die Schauspieler seien wie du und ich. Diese Linie zieht sich durch die gesamte Inszenierung. Torsten Kindermann, bekannt aus den musikalischen Produktionen „A Tribute to Johnny Cash“ und „A Tribute to Quentin Tarantino“, versucht sich bei Frank Abt als Schauspieler und sorgt durch sein Ruhrpott-Deutsch für eine gewisse Nähe zum Publikum. Ebenso dürfte dem Bochumer Theatergänger der Taubenzüchter aus Bochum-Langendreer vertraut vorkommen. Cornelius Schwarm verleiht dem Charakter darüber hinaus durch sein grandios zwischen Komik und Tragik changierendes Spiel so viel Charme, dass man ihn einfach mögen muss. Zum Schluss stellt Abt einen videoprojizierten Chor von Menschen aus Bochum mit den Schauspielern auf die Bühne, die zusammen den Song „Fix You“ von Coldplay singen. So vermittelt er zum einen ein gewisses Gemeinschaftsgefühl, gibt aber auch hier wieder Unbekannten die Möglichkeit, in den Mittelpunkt zu rücken.
Der Text des Stücks basiert auf Interviews, die Dirk Schneider geführt und die Frank Abt zu Monologen zusammengefasst hat. Diese liefern neben altbekannten Klischees leider wenig neue Erkenntnisse zum Thema „Casting-Republik Deutschland“. In der Inszenierung fehlt massiv eine kritische oder analytische Komponente, die sich bei einem Thema wie der Rolle des (Privat-)Fernsehens in der gegenwärtigen Gesellschaft geradezu aufdrängt. Abt verharrt auch im Allgemein-Unverbindlichen, wenn er den Zuschauer im letzten Monolog von Stephanie Schadeweg mit der Krankheit Demenz und ihren schrecklichen Auswirkungen konfrontiert. Der Mensch fängt an zu vergessen, wird gleichgültig und verliert durch den Verlust seiner Erinnerungen seine Identität: „Wir enden alle gleich.“ Warum also die ganze Anstrengung, etwas Besonderes sein zu wollen, wenn wir am Ende sowieso alles wieder vergessen? Gewiss keine schöne Erkenntnis, aber immerhin ein kleiner Hinweis, das Leben einfach zu genießen, wie es ist, und nicht ständig nach nur vermeintlich Höherem zu streben.