Die Rote Zora und ihre Bande

Rote Zora und ihre Bande, Die

Für Freiheit und Gerechtigkeit

Kurt Helds "Die rote Zora und ihre Bande" in einer Bearbeitung von Thomas Hollaender am Theater Oberhausen


von Frank Brenner

Seit knapp 70 Jahren begeistern die Abenteuer der „Roten Zora und ihrer Bande“ ein in erster Linie jugendliches Publikum. 1941 erschien der Roman Kurt Kläbers, das dieser im Schweizer Exil während des Zweiten Weltkriegs unter dem Pseudonym Kurt Held veröffentlicht hatte. Der bekennende Kommunist hatte kurz zuvor bei einem Jugoslawien-Urlaub die reale Zora und ihre Bande kennen gelernt und den wild-romantischen Charme der obdachlosen Jugendclique als Aufhänger für seinen Jugendroman genommen, der im Laufe der Zeit zu einem der großen Klassiker des Genres avancieren sollte. Die Popularität des Stoffes wuchs, als Ende der 1970er Jahre unter der Regie von Fritz Umgelter eine deutsch-schweizerisch-jugoslawische Fernsehserie im Auftrag des Bayerischen Rundfunks realisiert wurde. Ein Revival der zeitlosen Geschichte um Freundschaft, Freiheit, Gerechtigkeit und die Sehnsucht nach einem Zuhause setzte spätestens 2008 ein, als Peter Kahane Helds Roman fürs Kino neu adaptierte und u.a. mit Mario Adorf, Ben Becker und Dominique Horwitz prominent besetzte. In Oberhausen diente „Die rote Zora“ nun Thomas Hollaender als Vorlage für ein herausragendes Bühnenstück, das Zuschauer aller Altersschichten zu begeistern verstand.

Auf den ersten Blick wirkt das Bühnenbild von Janina Mendroch ziemlich karg und langweilig. Zwei fensterlose, ärmlich wirkende Häuser, davor ein schlichtes Holzkreuz vor einem offenen Grab. Branko (Marcus Melzwig) versteckt sich auf einem der Dächer, denn die Beerdigungszeremonie gilt seiner Mutter, die den Jungen quasi als Waise zurücklässt, da Brankos Vater als fahrender Geiger nie zu Hause ist. Im Heim seiner Mutter kann er nicht bleiben, weil er die Miete nicht bezahlen kann. Seine Großmutter (herrlich schräg als altes Muttchen mit Kopftuch: Marek Jena) gewährt ihm nur eine einzige Übernachtung im Stall, da sie selbst gerade mal für sich genug zum Essen hat.

Als Branko auf dem Markt aus Hunger einen im Dreck liegenden Fisch aufhebt, wird er als Dieb verhaftet und in eine Zelle gesperrt. Die ist durch den geschickten Einsatz der Drehbühne zum zweiten Bild in der Oberhausener Inszenierung geworden. Mit einem langen Seil wird Branko von der roten Zora (voller Elan und mit dem Schalk im Nacken: Annika Meier) aus dem Gefängnis befreit. Sie führt ihn zum Geheimversteck ihrer Bande, die noch aus Pavle (verschmitzter Sympathieträger: Bernard Niemeyer) und Duro (ruppige Schale mit weichem Kern: Patrick Rupar) besteht, die ebenfalls von ihren Familien im Stich gelassen wurden und sich ihr tägliches Brot mühsam zusammenklauen müssen.

Die Burgruine, in der sich das Bandenversteck befindet, wird in Mendrochs Bühnenbild geschickt im versenkbaren vorderen Bühnenteil konstruiert. Vier Leitern führen nach oben zu den Falltüren im Bühnenboden, in denen die nun auf vier Mitglieder angewachsene Bande unter lautem Gepolter verschwinden kann, wenn sie mal wieder von den reichlich ungeschickten Dorfpolizisten (Kai Bettermann und Marco Rudolph) verfolgt wird. Spätestens dann, wenn die „Burg“ aus dem Bühnenboden fährt und sich das Setting zum wiederholten Male verändert hat, erkennt man, wie durchdacht die ganze Bühnentechnik hier eingesetzt wird.

Auch sonst ist Thomas Hollaenders Inszenierung reich an Schauwerten und temporeicher Kurzweil, die das Stück schon für die jüngsten Theaterbesucher zu einem spannenden und abwechslungsreichen Vergnügen machen. Klaus Zwick führt als alter Fischer Gorian erzählend durch die Geschichte und stimmt dabei zwischendurch auch mal ein Lied an. Überhaupt spielt der musikalische Rahmen eine wichtige und gleichermaßen gelungene Rolle in der Dramaturgie des Stückes. Mit Texten von Rüdiger Bering und zur Musik von Otto Beatus gibt es so u.a. den gewitzten Polizisten-Song oder die Schlager-Parodie „Wenn bei Krk die rote Sonne im Meer versinkt“ zu hören, und nicht zuletzt auch die schmissige „Ballade von den Uskoken“, dem Kampfsong der Zora-Bande. Dieser kam beim Premierenpublikum so gut an, dass ihn das gesamte Ensemble nach minutenlangem Applaus und Standing Ovations am Ende einer gelungenen Vorstellung vor einem vollen Haus noch einmal gemeinsam zum Besten geben durfte.

[Zum Theater][Zur Besetzung]weiter [Kommentieren]weiter

Aktuelle Kommentare

worst case
juliameer76

Die Geschichte der Zukunft
Theaterfan

Das Geld
Manfred Re.

wohnen. unter glas
stadelmeyer

Die Kontrakte des Kaufmanns
Schreibschützer

Jack und Jill
"Münsteraner"


© 2001-2010 mehrfilm GbR | Impressum | Hilfe | Werbemittel | Zugang nur mit Passwort Intern |