Mehrtheater Ausblick: Neues Festival in Bochum

K15 - Bretter, die die Welt verleugnen

Internationales Theaterfestival in Bochum

Wenn die Spielzeit auf die Zielgerade geht, dann ist Hochsaison für Festivals und Sonderveranstaltungen. Auch das Schauspielhaus Bochum beteiligte sich am Reigen der Events und sorgte in den vergangenen beiden Jahren mit „Ohne alles“, einem zweitägigen Uraufführungsmarathon von eigens für das Traditionshaus verfassten Kurzstücken, für einen originellen Akzent. Für das Ende seiner vorletzten Spielzeit als Intendant in Bochum kündigte Elmar Goerden nun ein neues, größeres Festival an. Vom 19. Juni bis zum 1. Juli werden unter dem Motto „K15 – Bretter, die die Welt verleugnen – Ein Theaterfestival für Bochum“ über 50 Vorstellungen von 18 unterschiedlichen Produktionen auf den Bühnen des Schauspielhauses zu erleben sein. Goerden und sein künstlerischer Berater Franz Peschke schlagen einen weiten Bogen vom klassischen Sprechtheater über Installation, Konzert, Film und Performance zum Figuren- und Tanztheater, selbst eine Nachtwanderung mit dem Ensemble unter dem Titel „Im Wald. Nachts“ gehört zum Programm.

K15: Das Kürzel bezieht sich schlicht auf die Postanschrift des Bochumer Schauspielhauses an der Königsallee 15. Der kuriose und etwas verquere Untertitel „Bretter, die die Welt verleugnen“ soll nach Auskunft der Macher Ausdruck einer von äußeren Zwängen und starren Konzepten losgelösten Freiheit sein. So gibt es kein übergeordnetes Thema, Eigenproduktionen werden durch Gastspiele aus Europa, Korea und New York ergänzt. Von dort kommt Regiestar Peter Sellars mit seiner Inszenierung von Shakespeares „Othello“ nach Bochum. In diesem einzigen Gastspiel der Produktion in Deutschland sind John Ortiz in der Titelrolle und Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman als Jago zu sehen. Diese prominent besetzte Aufführung fällt unter das klassische Festspiel-Profil und hat bei „K15“ ein wenig eine Lockvogel-Funktion. Denn Goerden und Peschke wollen die ganze Vielfalt des Theaters präsentieren.

Das Schauspielhaus Bochum selbst eröffnet die Festivitäten mit der Theaterversion des Ernst-Lubitsch-Films „Sein oder Nichtsein“, es ist zudem mit einer Vertonung von Ovids „Metamorphosen“ durch die Band Leik Eick und einem Potpourri aus den zahlreichen musikalischen Produktionen des Hauses unter dem Titel „A Tribute To…“ vertreten. Der experimentelle Porträtfilm „Zidane – A 21st Century Portrait“ des schottischen Turner-Preisträgers Douglas Gordon wird mit einem Live-Konzert von Mogwai, die auch den Soundtrack komponierten, kombiniert und Armin Petras alias Fritz Kater präsentiert sein neues Stück „rose oder liebe ist nicht genug“. Dazu kommen vier Performances vom Junge-Hunde-Festival im dänischen Århus, eine Autoteatro-Installation „Etiquette“ des britischen Duos Rotozaza und die Work-in-Progress-Performance „1984“ vom Blind Summit Theatre.

Jiří Kylián, der ehemalige Leiter des Nederlands Danse Theater präsentiert seine Choreographie „Birth-Day“ und den Tanzfilm „Car Men“, die Daegu City Modern Dance Company zeigt mit „Hamlet Episode“ aktuelles Ballett aus Korea, Karttunen Kollektive aus Finnland sind mit „My Imaginary Friend Is With Me“ vertreten und Henrietta Horn zeigt ihr neues Solo „Schimmer“. Zwischen Tanz und Schauspiel bewegt sich die Aufführung „Once And For All We`re Gonna Tell You Who We Are So Shut Up And Listen“, in der Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren zeigen, wie sie sich selbst und ihr Leben sehen. Die Tanztheater-Company des Jungen Schauspielhauses präsentiert eine Uraufführung und einige junge Künstler sollen vorübergehend sogar in der Königsallee wohnen: In „24 Stunden“ sollen von der ersten Idee bis zur Aufführung gleich drei neue Stücke entstehen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Einbindung der Zuschauer, es werden viele Publikumsgespräche und Workshops angeboten. „K15“ soll ein Festival für die Bürger der Stadt sein und zugleich einen freudigen Vorgeschmack auf das Kulturhauptstadt-Jahr bieten. An Ideen mangelt es nicht und die Bandbreite des Programms ist beeindruckend. Es bleibt abzuwarten, ob Goerdens Wundertüte auch entsprechend angenommen wird und ob bei aller Vielfalt auch ein eigenständiges Profil entsteht, was aus „K15“ mehr als eine Eintagsfliege im Festivalkalender werden lassen könnte.

Andreas Staben

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